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Logischer Minimalismus

In fünf Tagen schon werden die meisten unserer Möbel abgeholt und zu ihrem neuen Bestimmungsort gebracht: Eine gute Freundin ist in Not und bekommt alles, was sie und ihre Kinder brauchen können. 

Und sie brauchen die Dinge nun mal jetzt schon- Mitte Juli. Unser Auszugsdatum? Ist erst Ende August. In sieben Wochen. 

Sieben Wochen werden wir vier also auf Matratzen campen und am Wohnzimmertischchen essen. Die Klamotten schon in Reisetaschen verstauen und die Bücher in Kisten. Die Kinder bekommen große Matratzen auf dem Fußboden. Ideal zum hüpfen und toben.

 

Oft werde ich gefragt, was wir denn mit all unserem Besitz machen und ob es mir nicht schwer fällt, so vieles zurückzulassen. Ganz ehrlich? Nein! Und wenn ich in mich gehe? ... Nein! 

Ich dachte, ich würde mehr an meinen Dingen hängen. Aber mit ein paar Ausnahmen empfinde ich es viel mehr als Erleichterung, einen Grund und genügend Druck zu haben um mal so richtig krass auszumisten. Zu überlegen, was die wirklich emotional nicht ersetzbar wichtigsten Dinge für mich sind. (Meine Kitchenaid, eine kleine Lampe und meine weichste Decke gehören dazu.) Meinen Besitz zu minimieren. 

Minimalismus. Seit er mir vor über einem Jahr begegnet ist, beschäftigt und fasziniert mich der Gedanke. Minimalistisch leben. Für mich heißt das: die Dinge, die ich besitze, sollen meinem Leben einen echten Mehrwert geben.  

 

Ich habe schon ein paar mal versucht, eine Minimalismus- Challlenge zu bestehen. Am Ersten eines Monats wirft man ein Teil in den Müll (oder gibt es ab- natürlich). Am Zweiten zwei. Am dritten Tag drei Teile. Und so weiter und so fort. Ich bin bis zum dritten Tag gekommen, dann hab ich die ganze Challenge wieder vergessen. 

 

Jetzt haben wir als Familie die Chance, zu bestimmen was uns am meisten Wert ist. An was unser Herz hängt und welche Gegenstände besagten Mehrwert für unser Leben haben. 

Und in Johannesburg entscheiden wir dann, welche Dinge wir neu zu unserem Leben dazutun. Ich empfinde das als unglaublich reinigend. Erleichternd. Schön. 

 

Ja, die Ungewissheit ist natürlich da. Läuft es so gut, wie wir denken? Wir erwarten ja nicht, dass es leicht wird. ABer wir erwarten durchaus, dass es gut wird. Können wir dort wirklich beschaffen, was wir brauchen um ein Heim und eine Heimat zu schaffen? Machen unsere Jungs das wirklich so gut mit wie ich erwarte? Wir sind aber nach wie vor überzeugt, dass wir das Richtige tun. Und mehr: dass Gott hinter uns steht. Ich glaube das ist es auch, was mich in jeder Hinsicht so entspannt sein lässt. Wenn Gott uns in Johannesburg haben will dann wird es gut gehen. Einfach? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber wie auch immer das Ergebnis aussehen wird- es wird gut sein. 

 

Die Kinder freuen sich schon auf unser Abenteuer. Sie wissen, dass all ihre Lieblingsspielsachen mit uns im Flugzeug fliegen dürfen. Und dass den Rest andere Kinder bekommen. Sie finden das gut so. Ich bin sehr stolz auf sie. Und ich freue mich, dass alles wirklich wertvolle mitkommt. All das passt in acht Koffer. Je weniger es wird, desto mehr steigt der Wert.

 

Herzlichst, Ellie

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