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Jetzt leben wir in Südafrika | Die erste Woche

Willkommensessen | Der erste ganze Tag in Johannesburg

An unserem ersten Morgen hier wurden wir von der Sonne geweckt. Dieses herrliche, kühl - klare Licht, das ich so nur in Südafrika kenne. Da fällt das Aufstehen doch gleich viel leichter.

Im Garten hinter dem Haus hüpfen fremde Vögel und am Straßenrand wächst hier Aloe Vera als Begrünung! 

Die Schere zwischen Arm und Reich ist in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Auch wenn man hie und da die Anstrengungen sehen kann, mit denen die Regierung versucht, die Lebensqualität zu erhöhen. Und die Gefahren einzudämmen. 

An unserem ersten richtigen Morgen in Südafrika haben wir gefrühstückt, uns gefreut und sind dann zur Oma gefahren. Den Nachmittag haben wir dort verbracht. Freunde kamen und gingen, viele hatten mitbekommen, dass wir angekommen sind und wollten uns begrüßen. Die Kinder spielten barfuß im Dreck (da sind meine Jungs immer ganz vorne mit dabei! Ettienne hat seine Oma auf deutsch gefragt, ob er barfuß spielen dürfe und da sie kein Deutsch versteht, hat sie einfach "ja" gesagt!).

An diesen Nachmittag kam fast die ganze Großfamilie zusammen. Auch der Opa aus Pretoria - Vernons Opa - war da. Und es wurde entschieden, dass er bei Oma Ono einzieht. Seine zweite Frau ist vor kurzem gestoben und er will aus persönlichen Gründen nicht in seinem Haus bleiben. Und so zieht er um. Zu Ono.

 

Wir kommen nach Südafrika um sie zu entlasten und der Familie unter die Arme zu greifen. Und kaum sind wir zwei Tage da, lastet meine Schwiegermutter sich eine weitere große Verantwortung auf. Vielleicht denkt sie, dass sie keine Wahl hat. Vielleicht will sie ihn gern bei sich haben. So oder so war es ihre Entscheidung. Was es für uns bedeutet, kann ich noch nicht abschätzen. Was ich aber sicher weiß ist, dass es mir jetzt wichtiger ist denn je, meine Nichte und meinen Neffen bald zu uns zu holen. Ich befürchte, dass die Situation zu Hause sich noch verschärfen wird. Und davor möchte ich die beiden schützen.

Abends waren wir platt. Gut geschlafen hab ich trotzdem nicht. Zu viele unbekannte Geräusche. 

Die erste Woche im Zeitraffer

Wir sind hergekommen, um in unserer Familie einen Unterschied zu machen. Wir wollen, dass unsere Nichte und unser Neffe bei uns wohnten. Wir wollen mit ihnen Familie leben. 

Gleich am ersten Wochenende konnten Jona und Caitlin bei uns übernachten. Ein Vorgeschmack auf das was kommt? Auf alle Fälle ein gegenseitigen Kennenlernen. Es war schön. Vermutlich wird es in den nächsten Wochen oft so sein, dass wir das Wochenende zusammen verbringen. Wir haben gefrühstückt und früh morgens schon Fußball gespielt... ziemlich genau so, wie wir uns die Wochenenden vorgestellt haben. Mir hat es das Gefühl vermittelt: ja, so darf es sein. So kann ich es mir gut vorstellen, das wäre schön.


Im Gottesdienst waren wir bei der Stadtmission. Sie haben uns so herzlich aufgenommen, da wollten wir uns gerne zeigen und diese netten Menschen persönlich kennenlernen.

Thema war Esther. Folgst du dem Ruf, den Gott für dein Leben hat?  Ja, kann ich aus ganzem Herzen sagen. Gott hat uns gerufen, nach Johannesburg zu ziehen und wir sind gegangen. Jeden Tag erleben wir jetzt, wie er uns segnet. 

Am Sonntagnachmittag haben wir Caitlin und Jona zu Oma Ono gebracht. Dort wohnen sie die Woche über, Caitlin geht dort ja noch bis Anfang Dezember zur Schule.


Ab Montag stand dann sehr viel Organisatorisches auf dem Programm: Bankkonto eröffnen, ein Auto kaufen, eine Schule für Jonathan finden, Vernon hatte einen Termin bei seinem Arbeitgeber um den Vertrag zu unterschreiben. Und die Gegend erkunden. Wo kann man einkaufen? Was gibts in der näheren Umgebung? Wie sind die Preise? (Die Preise sind schockierend teuer!! Es sind fast deutsche Preise, das Einkommen ist aber bei vielen Südafrikanern nur ein paar hundert Euro im Monat). Zwischendurch hat Jonathan mal bei uns übernachtet und wir haben Oma besucht.

 

Damit war die Woche gut gefüllt. Manchmal ist Vernon alleine losgezogen. Ich habe dann mit den Jungs das Gelände hier erkundet. Es gibt hier einen Fußballplatz, einen Spielplatz, ein Klettergerüst, einen Garten direkt beim Haus. Und überall können wir uns frei bewegen! Rund um das Gelände ist ein hoher Zaun. Das ist in Südafrika Standard - und leider unbedingt nötig. Zwei große Hunde bewachen das Gelände außerdem. Besonders die Hunde geben mir ein Gefühl der Sicherheit. 

Diese erste und wahnsinnig intensive Woche hier war dann auch die einzige in dieser Art. Denn schon nach zehn Tagen hat Vernon seinen ersten Arbeitstag. Er wird bis Ende Oktober halbtags arbeiten und das scheint eine gute Lösung zu sein. Mal wieder. Gott kümmert sich. Wir vertrauen ihm und es zahlt sich aus.

In der ersten Woche haben wir tatsächlich eine Highschool für Jona gefunden - er kann ab Januar auf die gleiche Schule gehen wie seine Schwester! Wir haben ein Konto eröffnet und ein Auto gefunden, das wir in wenigen Tagen abholen können. Einen Touran mit sieben Sitzen. So, wie wir es uns vorgestellt haben.

Dankbar stelle ich beim schreiben fest, dass wir am richtigen Ort sind. Gott hat uns im Februar gezeigt, dass wir nach Südafrika ziehen sollen. Wir haben gehorcht. Haben unsere Wohnung abgegeben, unsere Jobs aufgegeben und sind nach Johannesburg gezogen. Ein großer Schritt. Ein mutiger Schritt. Doch wir stehen fest zusammen, haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen und glauben, dass Gott einen großen Plan für uns hat. Einen Plan, den wir jetzt erst in Ansätzen kennen. Aber so wie wir vorwärts gehen, kommt eins zum anderen und wir merken jeden Tag, dass Gott bei uns ist. Das gibt mir Zuversicht. Und lässt mich gespannt in die Zukunft schauen. 

 

Herzlichst, Ellie