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Eine Situation, zwei Blickwinkel

Heute Nacht, mitten in der Nacht, wurde mein Mann angerufen und musste dann kurz aufstehen um etwas zu klären. Ich blieb im Bett, konnte aber so schnell nicht einschlafen. Ich war unruhig und habe den Geräuschen gelauscht. Die Schritte meines Mannes. Die Geräusche einer südafrikanischen Nacht. Das Knurren der Hunde und ihr nervöses Scharren an der Haustür. Eine knarzende Tür und dann noch eine. Ein Schlüssel, der in der Haustüre umgedreht wird und dann das Flüstern meines Mannes. Vermutlich hat er die Hunde beruhigt. 

Als er wieder neben mir im Bett lag, war ich immer noch unruhig. Ich habe gebetet, dass wir ruhig und beschützt schlafen könnten. Und das konnten wir dann auch. 

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Um sechs Uhr wollte ich meinen Neffen rauslassen. Er wollte an diesem Freitag einem befreundeten Koch aushelfen. In Südafrika ist es üblich, dass ein Grundstück umzäunt ist. Damit niemand ungebeten eindringen kann. Vorne, zur Straße hin, ist ein Tor. Ich hab also auf die Fernsteuerung fürs Tor gedrückt- aber es tat sich nichts. Ich habe nochmal gedrückt. Wieder nichts. 

Nach einem prüfenden Blick aus dem Fenster war klar, warum sich da auch nichts tun würde: der Motor war weg. Dort, wo in der Nacht noch ein Motor war, der das Tor auf- und zumacht und der dafür sorgt, dass niemand das Tor ohne Erlaubnis öffnen kann - dort ragen jetzt nur noch zwei dicke Kabel aus dem Boden. Das Tor lässt sich manuell aufschieben aber mit Fernsteuerung ist nix mehr. Kein Motor - keine Sicherheit. Denn abschließen lässt es sich jetzt nicht mehr. 
Mein Neffe lief zum zweiten Tor auf unserem Grundstück. Es führt zum Parkplatz der Kirche. Er kam zurück mit einem Schulterzucken und der Nachricht, dass auch dort der Motor fehlte. 
In der Nacht waren sie gestohlen worden. Beide Tore sind damit offen für jedermann. Jedermann, der - egal ob mit guten oder schlechten Absichten - auf unser Gelände will.

Meine erste Reaktion war ein Schock

Meine erste Reaktion war: Da war jemand auf unserem Gelände!! Oh nein. Bestimmt haben die Hunde deswegen heute Nacht angeschlagen. Und mein Mann war im und ums Haus unterwegs, während die Diebe womöglich auch da waren! Was da alles hätte passieren können. Jemand war bei uns und hat die Motoren gestohlen. Warum in der Welt stiehlt jemand Tormotoren?! Womöglich, um in der nächsten Nacht offene Türen zu haben. Vielleicht will derjenige dann wiederkommen und hat heute Nacht einfach mal ausgekundschaftet und "Tor und Tür geöffnet". Es wird eine Weile dauern, bis wir einen neuen Motor haben. Bis dahin wird es aufwendig, mit einer Kette und Schloss immer abzuschließen. Und wirklich sicher ist das auch nicht.

Wenn also jemand vorhat in der nächsten Zeit hier einzubrechen, dann könnte noch viel mehr gestohlen werden. Noch viel schlimmer wäre aber, wenn jemand uns etwas antun würde. Ich habe Angst davor, mal einen Einbrecher auf frischer Tat zu erwischen. In Südafrika schrecken Kriminelle oft leider nicht vor Gewalt zurück. 
Jetzt kommt der ganze Aufwand mit Polizei und Versicherung. Hoffentlich müssen nicht zu lange warten. Und hoffentlich findet die Versicherung keinen Grund, uns die Schuld zuzuschieben. Ist da etwas, das wir hätten besser machen können? 
Wir waren im Haus und die Gefahr war so nah! So real. 

Meine zweite Reaktion war Erleichterung

Puh. Tief durchatmen. Fokus auf das Wichtige. Jemand hat unsere Motoren gestohlen. Wie gut, dass sonst nichts passiert ist. Das meine ich aus tiefstem Herzen. Keine Ahnung was passiert wäre, wenn mein Mann der Dieb erwischt hätte. Dann wäre es unter Umständen wirklich gefährlich geworden.

Und - wie gut, dass die Einbrecher nur die Motoren wollten. Vermutlich ist es eine Bande, die die Motoren verkauft. man sieht, dass sie wussten wie man diese Dinger abschraubt. Ein Motor ist ca 5000R also 300€ wert.

Wenn jemand ins Haus gewollt hätte, dann wären sie auch reingekommen. So sicher sind die Schlösser hier nämlich nicht. (Wir müssen es wissen denn wir sind neulich selbst eingebrochen, als der Schlüssel drinnen war... Easy!)

Ins Haus zu kommen war also nicht die Absicht der Einbrecher. Der Garten und die Motoren haben ihnen gereicht. Glück im Unglück. Und Bewahrung. Remember? Nachts, nachdem mein Schatz schon wieder schlief, lag ich noch im Bett und habe Gott gebeten, uns vor allem Bösen zu beschützen. Und er hat es getan.

Gott verspricht: 


"Der Herr selbst wird für dich kämpfen. Bleib ganz ruhig." 
2. Mose 14:14
Ich bin so froh über diese Erkenntnis. Ich kann ruhig sein. Auch im Chaos. Gott sorgt sich um uns. Und er sorgt für uns. Ich kann mein Bestes geben. Ich muss nicht aus Angst stehenbleiben sondern kann nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen treffen und vorwärts gehen. Gott kämpft meinen Kampf, ich kann ihm vertrauen.
Auch deinen Kampf will er für dich kämpfen. Du hast die Wahl. Willst du kämpfen, dir Sorgen machen und dich abhetzen? Oder ruhig sein, vertrauen und mit Gott gemeinsam gewinnen?
Herzlichst, 
Ellie