· 

2017 | Ganz anders als gedacht

Seit neun Jahren sind wir verheiratet und seither war unser Leben nie... hm, eintönig. 

Immer, wenn wir dachten "So ist es gut, so darf es bleiben.", stand die nächste Veränderung schon in den Startlöchern.
 
Doch 2017 hat alles getopt! Mit links. So verrückt, ereignisreich und lebensverändernd, war unser Leben bisher noch nie.

Im Januar hat Vernon, mein Mann, als Eventlogistiker gearbeitet. Die Kinder gingen gerne in ihre Kindergärten und ich war sehr gerne Praxisberatung in einem Familienzentrum in Stuttgart. 

Dann kam der 6. Februar. An diesem Morgen habe ich Gott um ein Wunder gebeten. Ich hatte Sehnsucht nach einem Wunder. Auf dem Weg zum Bus habe ich also gebetet.  

Ich hatte keine Ahnung, was folgen würde... 

Wenn man um ein Wunder bittet

An diesem Tag ist Vernons Nichte Samantha gestorben war. 

Wenige Tage später wussten wir, dass wir nach Südafrika ziehen würden. Wenige Monate später haben wir es getan.
Wir sind umgezogen. Mit wenig Gepäck und viel Zuversicht. Viel Unterstützung. Vielen Gebeten. Viel Mut. 

Vor dem Umzug

Die Monate vorm Umzug waren anstrengend. In Deutschland hatten wir alles. Nun wollten wir alles aufgeben um mit fast nichts wieder anzufangen. 

Stück für Stück haben wir in den nächsten Monaten unsere Möbel und Dinge verschenkt und teilweise verkauft. Alles haben wir geprüft: muss es unbedingt mit nach Südafrika oder ist es ersetzbar? 
Dieser Prozess des Loslassens fiel mir erstaunlicherweise leichter, als ich vermutet hatte. Es war ein logisches minimieren auf das, was für uns wirklich zählt. Und so ist es mir eine Freude zu wissen, bei welchen Freunden unsere Dinge weiterleben würden.

Fast nebenbei haben wir Visas beantragt, einen Job für Vernon gesucht und natürlich ein Heim für uns alle. Und nicht nur für uns, sondern auch für Jonathan und Caitlin, unserem Neffen und unserer Nicht. Die Teenager würden in Südafrika bei uns wohnen um Vernons Mama zu entlasten. 

Ende August wussten wir, dass am 4.10. unser Flieger ging. Aber wir hatten noch keinen Job, kein Haus, kein Auto und (ganz wichtig!) Vernon hatte noch keinen neuen Pass. Den Pass brauchte er, um die neue Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Eigentlich eine Formsache, ohne gültigen Pass aber unmöglich.

Bestätigung auf unserem Weg

Die wohl größte Bestätigung darin, dass wir das Richtige vor hatten, waren die Reaktionen unserer Freunde. Das hat uns umgehauen. So viel Verständnis und so viel Respekt. So viel Anteilnahme und Unterstützung in jeder Form. So oft haben wir gehört "Ihr inspiriert uns. Ihr seid mutig und ihr macht das richtig gut!"


Bei allem Weiteren blieb uns nichts andres übrig, als Gott zu vertrauen. Wir glauben und haben von Anfang an geglaubt, dass dies auch sein Auftrag an uns ist. Gott möchte Vernons Familie helfen, indem er uns zu ihnen schickt. Und wenn wir ihm gehorchen werden wir sehen, wie sein Plan für die Familie auch sein guter Plan für uns ist. Davon bin ich überzeugt.

 

Drei Wochen vorm Abflug hat Vernon eine Jobzusage bekommen. Im Goetheinstitut Johannesburg, dem Institut für deutsche Kultur im Ausland. Eine Stelle, an der er in seinem Beruf als Eventmanager arbeiten und seine Deutschkenntnisse einsetzen kann. Ideal!

Eine Woche später haben wir eine Email von der Stadtmission Johannesburg bekommen. Sie haben uns eingeladen, bis Ende des Jahres in einem Haus auf ihrem Grundstück zu wohnen und sie stellen uns sogar ein Auto zur Verfügung. Und wir müssen nur die Nutzungskosten übernehmen! Unser Wunder Nummer zwei

Fehlte noch der Pass. Auch der kam noch rechtzeitig - wenn auch gerade nur so! 


Nach der Landung

Alles hat noch rechtzeitig geklappt. Gott war wieder einmal treu. Wir sind also hier in Johannesburg gelandet und erst mal kam es anders als geplant. Am Tag nach der Landung hat sich die Familiensituation verändert: Vernons Mutter hat zugestimmt, sich um ihren alten Vater zu kümmern. Wir sind auch hergekommen, damit sie weniger Verantwortung hat. Wir wollten sie entlasten. So kam es nicht und das beeinflusst bis heute jeden Tag. 


Caitlin und Jonathan sind Anfang Dezember zu uns gezogen. Der Alltag im Moment ist schwierig. Da bin ich ganz ehrlich. Jona fällt es schwer, sich an die völlig neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen. Er wohnt bei uns, fühlt sich dadurch aber seiner Freiheit beraubt. Immer wieder läuft er weg und wir wissen nicht wo er ist, bis er ein paar Tage später wieder aufkreuzt. Dieser Zustand ist schwer auszuhalten. Wir hoffen, dass er bald bei uns sein möchte. Zu unseren, nicht zu seinen Regeln.

Caitlin hingegen ist gerne bei uns. Sie findet ihren Platz, sie spielt mit Ettienne und William und lädt ihre Freundinnen ein, bei uns zu übernachten.

 

Jetzt gerade sind Sommerferien. Mitte Januar beginnt für beide Teenies die Highschool und für unsere beiden Kinder der Kindergarten. Dann werden sich neue Rhythmen einspielen. Ich gebe zu, dass ich mich sehr darauf freue. Auf Kontinuität, auf Regelmässigkeit und auch auf die neuen Aufgaben, die mich erwarten. 


Vor einem Jahr hatten wir keine Ahnung, was auf uns zukommen würde. Wir waren offen für Neues und haben Gott gebeten, uns zu führen.

Jetzt leben wir in Südafrika! Wir haben gehorcht, als Gott uns gerufen hat, hier mit unserer Familie zu leben. Und wir sind gegangen. 

 

Wir staunen, weil wir dieses vergangene Jahr niemals so hätten planen können. Gott hat eines zum anderen gebracht. Wir haben ihn um Hilfe und um Führung gebeten und wenn wir Gott um etwas bitten, dann enttäuscht er uns nicht. Es geht oft anders, als wir uns das vorstellen. Doch wenn wir Gott vertrauen, dann erleben wir Dinge, die wir sonst verpasst hätten. Gott hat immer das Beste für uns im Sinn. 

 

Diese Themen liegen uns aktuell auf dem Herzen:

  • Das neue Schuljahr, das im Januar beginnt. Jona und Caitlin gehen ab jetzt zur Highschool, Ettienne und William kommen in den Kindergarten 
  • Dass wir uns als Ehepaar in diesen stürmischen Zeiten Zeit miteinander nehmen. Um nah beieinander zu einen und einander unterstützen du können.  
  • Jonathan. Dass Gott sein Herz berührt und dass er eine Kehrtwende macht
  • Dass wir unser Leben hier mit den gegebenen Finanzen gut hinbekommen

Ich wünsche mir, dass du und ich dieses Jahr immer mehr auf Gott vertrauen können. Immer wenn uns danach ist und besonders dann, wenn alles anders läuft, als wir es geplant haben.

 

Herzlichst, Elisabeth und Vernon