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Gottvertrauen auf dem Prüfstand | Real life struggles

Letzten Sonntagmorgen, kurz vorm Frühstück, fand ich meinen Rucksack offen. Oben auf lag mein Portemonnaie. Ebenfalls offen und fast ganz ohne Bargeld. Wir wurden bestohlen. Und das nicht zu knapp. Da der Wocheneinkauf noch anstand, hatte ich erst am Tag zuvor Geld abgehoben.

Ich weiß genau, wer an diesem Morgen im Haus war. Ich weiß auch, wer im entsprechenden Zimmer gewesen sein konnte. Somit kamen nur vier Personen in Frage. Einzelheiten zu den "Verdächtigen" will ich hier ersparen. Nur soviel - alle sind aus unserer direkten Familie. 

Mein Mann und ich haben alle Anwesenden an den Küchentisch bestellt. Dort wollten wir die Sache schnell klären. Ohne irgendwen bloßzustellen - wenn möglich. Wir haben zuerst an die Ehrlichkeit appelliert. Das hat nichts gebracht. Dann haben wir angekündigt, dass wir nicht zur Tagesordnung übergehen würden, bevor nicht geklärt ist, wer sich an uns bereichert hat.

Und so haben wir Taschen und Zimmer durchsucht. Alle Zimmer und alle Taschen. Und auch dabei nichts gefunden. 

 

Der erste Konflikt - Jetzt zählt unsere Reaktion

Was kann ich in dieser Situation tun? Denkt der Dieb, dass er ungeschoren davon kommt? Wie überführe ich ihn, wenn mir jegliche Beweise fehlen?

Wir sind seit ein paar Wochen hier. Wir sind hier, um Beziehungen zu unserer Familie zu bauen und um ein Vorbild zu sein. Alle Beziehungen hier sind noch frisch. Wir werden noch abgeschätzt und eingestuft. Um so mehr Tragweite hat unser Umgang mit dieser Situation.

An unserem Umgang mit diesem Diebstahl werden wir in Zukunft gemessen. Sind wir naiv? Lassen wir alles mit uns machen? Oder bestrafen wir kollektiv? Geben wir schnell auf? Ist es uns egal oder tut uns der Verlust nicht einmal weh?

Uns war mehr als bewusst, dass unsere erste Reaktion sehr großes Gewicht hat. Doch wir waren kalt erwischt. Hatten nicht damit nicht gerechnet. Waren nicht vorbereitet. Wie auch immer. Es viel uns sehr sehr schwer.

 

Und es tat weh. Das Geld - ja, das auch. Mehr aber noch, dass unser Geld wichtiger war als wir. Denn so empfand ich die Situation. "Euer Geld ist mir wichtiger als euer Vertrauen." Bei euch kann ich mir nehmen, was ich brauche. Mein Mann und ich waren aller Energie und Motivation beraubt. In einer ruhigen Minute haben wir uns hingesetzt, unsere Hände gehalten und gebetet. Für den Dieb. Dass das Geld gut eingesetzt würde. Und dass wir weise damit umgehen könnten.

 

Am nächsten Tag und nach einen wunderbaren Gespräch mit meiner besten Freundin habe ich folgende Gedanken festgehalten: Alle, die am Sonntagmorgen bei uns waren, mögen uns. Sie und wir freuen uns an den guten Beziehungen, die hier gerade entstehen. Niemand von ihnen  würde uns "ohne Grund" bestehlen. Denn damit würde er oder sie das Risiko eingehen, unsere Freundschaft zu verlieren.

 

Da wir trotzdem bestohlen wurden, komme ich auf zwei Gründe, die den Täter dazu bewegen konnten:
  1. Die finanzielle Not oder Abhängigkeit von was-auch-immer ist so groß, dass er das Risiko eingeht, erwischt zu werden - und unser Vertrauen zu verlieren. 
  2. Der- oder diejenige denkt, dass der Verlust uns nicht schmerzt und dass wir das einfach so wegstecken würden. 

Beide Optionen gefallen mir nicht. Trotzdem haben sie mich versöhnt.

Wenn jemand, der mir nahe steht, mich bestiehlt oder mir auf andere Weise persönlich schadet, dann geschieht das nicht ohne Weiteres. Es geschieht aus einer großen Not heraus. 

 

Jetzt wissen wir, warum wir hier gebraucht werden

Wir sind nach Johannesburg zu unser Familie gekommen, weil wir aus der Ferne diese Not gesehen haben. Darum sind wir hierhergezogen! Darum haben wir alles aufgegeben und darum wohnen wir jetzt hier. Mitten in den Herausforderungen. Habe ich erwartet, dass alles gut ist, wenn wir nur wer mal gelandet sind? Eigentlich nicht. Ich dachte, ich hätte eine realistische Einschätzung der Situation. Habe nicht erwartet, dass es einfach werden würde. 
Was ich aber nicht wissen konnte, ist wie die Schwierigkeiten uns persönlich treffen würden. Genauer gesagt - Ich hatte keine Vorstellung davon, wie wir persönlich betroffen sein würden. Und wie die Schwierigkeiten aussehen würden. 
Einen ersten Eindruck haben wir jetzt bekommen. Leicht ist es nicht. Wir haben getan, was uns richtig erschien und wir haben gebetet. das ist das Einzige und das Beste, was wir tun können.

Seitdem sind ein paar Tage vergangen. Das Geld ist noch weg. Aber wir sehen die Sache jetzt so: wenn dieser Vorfall dazu beiträgt, dass Vertrauen wachsen und Beziehung geschaffen werden kann, dann"investieren" wir gerne das verlorene Geld! Dann ist es das wert. 

Es braucht Gottvertrauen um zu glauben, dass er aus Mist, Gold machen kann. Ich glaube es. Er hat es mir wieder und wieder gezeigt. Ich hoffe so, dass ich in einigen Jahren zurückschauen werde und dabei denke: so und genau so musste es sein, damit daraus Gold werden konnte. 

 

Herzlichst,

Ellie